Aufnehmen

Man braucht überhaupt nicht darüber zu diskutieren: Es ist möglich, sich nicht nur in Menschen, sondern auch in Gegenstände zu vergucken. Dass diese einem keine Gefühle von ihrer Seite aus schenken können, spielt dafür keine Rolle. Bei Menschen, in die man sich verguckt, ist es ja auch manchmal so. Und außerdem kommt es einem bei manchen Gegenständen eben doch so vor, als gäben sie einem etwas zurück.

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Über Nacht wusste ich, es musste analog sein, auch wenn ich nichts vom Fotografieren verstehe. Und es musste eine Nikon sein. Ich habe mein Leben lang nur Canon benutzt. 

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Ein Film pro Woche. Zwischendurch erfasst mich die Sorge, dass es einfach nur Nostalgie oder die unbestimmte Sehnsucht nach einer glücklichen Kindheit ist, aber die Ergebnisse geben mir dennoch recht. Ich fotografiere auf einmal klarer, im wahrsten Sinne des Wortes fokussierter. Ich brauche lange für jedes einzelne Bild: Verschlusszeit, Blende, Verschlusszeit, Scharfstellen, den Ausschnitt aus der Realität suchen. Die Unruhe, was jemand denken könnte, wenn ich mitten im Bahnhof Dinge fotografiere, ist verschwunden. Ich versinke einfach in den Tätigkeiten.

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Ich liebe das Geräusch des Filmtransporthebels. Er setzt den Anfang fest, er leitet die Konzentration ein. Am Ende dann das kurze metallische Klicken des Auslösers. Schon sein Geräusch macht deutlich, dass man sich jetzt erholen kann. Das Wichtige ist schon passiert, man hat seine Arbeit schon getan. Der letzte Schritt ist nun leicht. Klack. An meiner digitalen Spiegelreflex bekommt der Auslöser das Gewicht. Er fühlt sich schon schwer an. Der auslösende Finger ist angespannt, denn der Druck darf nicht zu leicht sein, nicht zu schwer, man darf nicht zu langsam sein, aber auch nicht zu schnell. In diesem Knopf steckt alles. Jetzt dagegen: Leichtigkeit.

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Und überhaupt: Vorfreude auf jeden einzelnen Film.

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