Anfang

Das innere Leben eines Menschen, das Reifen und Wachsen von Gefühlen oder Entschlüssen, vollzieht sich ganz ähnlich dem äußeren oder organischen Verändern. Es geht langsam und allmählich ab, doch dann kommt der Punkt, da bemerkt man die neue Falte oder das graue Haar ganz plötzlich, als ob sie über Nacht gekommen wären. Im positiven Sinne der inneren Entscheidungsfindung gelangt man nach einem langen, fast unbemerkten Reifeprozess zum "kairós", dem Zeitpunkt, an dem es soweit ist.

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Und so kam es, dass wir im Sommer mit meinem eher wortkargen Onkel im Kartoffelfeld auf schwerer, sehr dunkler Erde standen, er den Spaten mit einem Ruck in den Boden stieß und dabei sagte: "Dann packen wir es an!".

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Gestern lagen die Schlüssel zum Haus, wo wir unterm Dach eine geräumige und gemütliche Wohnung haben werden, in meinem Berliner Briefkasten. In Gedanken habe ich alles schon eingerichtet und dreimal umgeräumt. Auch der kleine gußeiserne Ofen, den es noch gar nicht gibt, ist in meinem innerlichen Leben schon da. In Wirklichkeit schon da sind allerdings einige Hektar Garten und Hof, alles gepflegt und mit viel bisher ungenutztem Platz, an dem ab nächstes Jahr dann unsere Ideen sprießen können. Zwei Städter, die noch nie einen Zelturlaub gemacht haben.

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Wikipedia:

"Ein Vierseithof ist die Bezeichnung für eine Hofform, bei der der landwirtschaftliche Wirtschaftshof von allen vier Seiten von Gebäuden umschlossen ist, in der Regel also vom Wohnhaus, dem (regional unterschiedlich bezeichneten) Stadel oder der Scheune, dem Getreidekasten, Kornhaus, Kornspeicher oder Getreidespeicher und dem Stall."

"In der Magdeburger Börde überwiegen verputzte Ziegelbauten, die nicht selten und für das ehemalige Preußen typisch mit klassizistischen Stuckverzierungen, wie man sie sonst von Stadthäusern des 19. Jahrhunderts kennt, versehen sind. Die Nebengebäude haben zumeist unverputztes Ziegelmauerwerk, Fachwerk oder Holzlattung."

Denkmalschutz.

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Es geht nicht darum, den Alltag hinter sich zu lassen. Alltag ist nichts Schlimmes, Alltag ist das, was einen durch den Großteil des Jahres bringt, einen gerade rückt, wenn Ereignisse einen ins Strudeln kommen lassen. Er bringt Stabilität. Wenn man nach einem herrlichen, rauschhaften Abend am nächsten Morgen in ein schwarzes Loch zu fallen droht, ist Alltag das, was einen auffängt. Er sagt: einfach weitermachen. Nein, es geht nicht darum, keinen Alltag mehr zu haben, sondern einen ganz neuen anderen Alltag zu beginnen.

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